Donnerstag, 21. April 2016

Beste Textstellen aus Isch geh Schulhof von Philipp Möller

Wie versprochen hier nun die besten Textstellen aus diedem Buch:


Seite 63:

....

Und da ist er endlich: der Moment, in dem mir die Sicherung durchbrennt.
Impulsiv hole ich mit dem Lineal aus und schlage es auf den Tisch. Mit einen ohrenbetäubenden Knall zerschellt es auf dem Pult und zersplittert in Hunderte kleiner Teile, die durch die Klasse fliegen.
Stille.
Ich starre fassungslos auf den Linealrest in meiner Hand. ....

Seiten 87:

...
Was diese Namensverirrungen mit den Kindern anrichten, kann man als Erwachsener nur erahnen. Die vom Chantalismus betroffenen Kinder dagegen können wohl noch nicht einschätzen, was derlei Namen für ihre Zukunft bedeuten - geschweige denn wissen, wie man sie korrekt ausspricht. So erzählt man sich in den Weiten des World Wide Web die Geschichte eines Jungen, der im Kindergarten felsenfest behauptete, er hieße Pirschelbär. Als die Erzieherinnen schließlich einen Blick in die Unterlagen des Jungen warfen, stelle sich heraus, dass sein Name Pierre-Gilbert lautete. ....

Seiten 226-228:

...
Oben angekommen, möchte ich die heimatlichen Kenntnisse meiner Klasse auf die Probe stellen und frage in die runde, wo wir uns nun befinden.

"Gärtnerplatz, vallah!", ruft Oktay missmutig aus dem hinteren Teil der Kindertaube, die ich um mich gescharrt habe.

"Genau, Oktay. Wisst ihr auch, wofür diese Gegend so berühmt ist, wer hier so wohnt?"

"Sch'weiß nisch", überlegt er. "Opfer? Juden?"

Bevor mir die Tragweite seiner Gedanken bewusst wird, kläre ich ihn darüber auf, dass es sich beim Gärtnerplatz um Berlins berühmtesten Schwulenkiez handelt.
Allgemeine Bestürzung bricht aus. Einige der Mädels verstecken sich ängstlich hinter ihren Freundinnen. Angeekelte Gesichter mischen sich mit hysterischem Gelächter.

...

"Herr Mülla, Schwulheit ist verboten", erklärt mir Oktay endlich. "Von Gott!"
Na, herzlichen Glückwunsch: Religiös bedingte Intoleranz in der sechsten Klasse! Ich bin kurz davor den Ausflug abzubrechen.Schließlich erklärt mit Oktay dann auch noch stolz, dass seine Mutter ihm das beigebracht hat. Um eine Begründung für das Homo-Verbot gebeten, ist es dann allerdings die sonst so stille Medina, die den weltanschaulichen  Vogel abschießt.
"Weil Adam und Eva waren auch nich schwul", erklärt sie im vollsten Brustton der Überzeugung. "Sonst würde es uns jetzt auch nicht geben".
Ich stehe mit offenem Mund vor der Klasse und staune. Wie schafft man es bloß, Menschen von einem solchen Unsinn zu Überzeugen?

....

"Aber Medina", beginne ich noch immer leicht schockiert. "Adam und Eva haben nie existiert. Das ist nur ein Märchen, so wie Hänsel und Gretel oder Harry Potter. Wir Menschen wurden nicht gebastelt, sondern sind entstanden - so wie alle anderen Lebewesen auch."
Nun starren mich die Kinder mit offenen Mündern an. wo bin ich hier nur gelandet? Aber wenn ich schon dabei bin, denke ich mir, rücke ich gleich mit der ganzen Wahrheit heraus und erkläre, dass manche Männer sich halt in Männer verlieben und manche Frauen eben in Frauen.

...

Mir reichts. Strafspaziergang über den Kiez! Volle fünfundvierzig Minuten. Vorbei an Männern, die Arm in Arm in knallengen Lederhosen durch die Straße laufen, an all den belebten Cafés mit Regenbogenflagge und fast ausschließlich männlichem Publikum. Schocktherapie gegen Homophobie.

Seite 235-240:

...
Auch das kapieren sie, und so rufe ich eine kurze Pause aus, um die Tafel für unser nächstes Thema vorzubereiten: Pornos.
Als ich mich wieder umdrehe, sind die zwei Chef-Machos der Gruppe schon wieder sehr Praxisorientiert dabei. Mohammed hockt auf allen vieren auf seinem Tisch und imitiert lautes Frauenstöhnen, während Dragan hinter ihm kniet und so tut, als würde er ihn laut ächzend von hinten nehmen. Ich stelle mich neben die beiden, stütze meine Hände in die Hüften und nicke anerkennend, bis sie mich entdecken,.
"Wir wollten nur zeigen, wie Doggy-Style geht", erklärt Mohammed.
Mit einer gehörigen Portion Ironie lobe ich die beiden und freue mich insgeheim über die gelungene Überleitung.

....

"Pornos sind noch geiler als eschta Sex", ruft er und streichelt dann mit wildem Blick die imaginäre Frau, die er sich gerade auf seinem Schoß vorstellt.
Als die erneuten Lacher verklungen sind, erkläre ich, dass die Perspektive, aus denen Pornos meist gedreht sind, nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun haben. Weil Frauen dort häufig als minderwertig dargestellt werden, warne ich die Jungs davor, sich am Verhalten männlicher Pornodarsteller5 ein Beispiel zunehmen.
"Wieso nisch?", will Dragan verwundert wissen.
"Weil Frauen genauso viel wert sind und genauso viel zu sagen haben, wie Männer - auch im Bett."#
Sein Kommentar darauf - das hätte ich mir denken können - lässt mich zusammenzucken.
"Männer können alles bestimmen," sagt er selbstbewusst," weil wir können die Frauen in Fresse schlagen!"
Es ist zum Davonlaufen!

...

Dann wird mir wieder klar, dass gegen Dummheit nur ein Kraut gewachsen ist: Bildung!

..

neue Überschrift: MÄNNER UND FRAUEN - NICHT GLEICH ABER GLEICHWERTIG! Dann unterstreiche ich das letzte Wort und frage Dragan, ob er tatsächlich meint, das stärkere Menschen über schwächere bestimmen können.
Er nickt.
"Dann bestimme ich, dass du morgen in einem, pinken Kleid zur Schule kommst," befehle ich ihm streng." Mit hochhackigen Schuhen, einer blonden Perücke und geschminkt."
Als er mich widersprechen will, füge ich leise hinzu, dass ich ihm sonst die Fresse polieren würde. Dann herrscht Stille. Er überlegt, setzt mehrmals zum Sprechen an und überlegt weiter. Schließlich lächelt er mich verlegen an und erklärt mir dann einsichtig, dass es Fälle geben, in denen auch er unter dem Recht des Stärkeren leiden würde.

...

...In der letzten Viertelstunde kümmern wir uns dann im Schnelldurchlauf um die Basics der menschlichen Anatomie, den Prozess des Erwachsenwerdens und den Vorgang der Geburt. Das war auch bitter nötig, denn einige von den Jungs haben davon soviel Ahnung wie ein Schwein vom Eierlegen. am Ende der Stunden wissen dann auch wirklich alle, dass der Penis kein Knochen ist und aus welcher der weiblichen Körperöffnungen die Kinder kommen.
Ist doch immerhin ein  Anfang.
...

1 Kommentar:

  1. Bin durch Ankas Lesend & blubbernd durch die Weihnachtszeit hier gelandet und haha, das Buch klingt sehr lustig :D Erinnert mich auch an die Bücher von "Frau Freitag", kennst du die?

    lg Caro

    AntwortenLöschen